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Tabelle 2026/27
| 1. | Kiesler | 97 | |
| 2. | Walter | 75 | |
| 3. | Lars-Steffen | 60 | |
| 4. | Hans | 53 | |
| 5. | Eggi | 45 | |
| 6. | Lars | 39 | |
| 7. | Felix | 32 | |
| 8. | Jan | 31 | |
| 9. | Gunnah | 8 |
Wichtige Termine
4. Spieltag
- Von:
- 13.11.2026 um 19:00 Uhr
- Bis:
- 13.11.2026 um 23:00 Uhr
- Wo:
- El Toro (Arnsberg)
- Teilnehmer:
- Eggi, Felix, Gunnah, Hans, Kiesler, Lars, Lars-Steffen, Walter
- Abgemeldet:
- Jan
Kegeltour nach Kattowitz
Arnsberg, 5.11.2026 von Walter
ẞauwen, Junge! Das war nicht nur das Motto der Tour. Aber wir wollten in Kattowitz einfach mal ausprobieren, wie viel Bier ein menschlicher Körper eigentlich verträgt. Vor allem, wenn man noch Bimber reinkippt. Dazu später mehr. Das Programm ist megageheim. So geheim, dass es im deutschen kein Wort gibt, was die Geheimhaltung der Planer beschreibt. Die Japaner haben dafür das Wort 極秘 genommen. Wenn ich Google richtig verstanden habe, beschreibt das Wort die höchste bzw. die äußerste Geheimstufe, zu der nur Auserwählte Zugang haben können. In der Threemagruppe gingen noch ein paar kryptische Hinweise der Planer ein, die so sinnvoll waren, wie Fußpilz. Wahrscheinlich war dies die Rache für Sofia.
Samstag
Alter! Ich hasse es, morgens früh aufzustehen, wenn ich nicht arbeiten muss. Aber gut. Der Flugplan richtet sich nicht nach mir. Und da in Meschede-Schüren maximal der Bundeskanzler startet und landet, müssen wir als gemeiner Pöbel Nichtpiloten auf eine Fluggesellschaft ausweichen. Die KI würde jetzt wahrscheinlich irgendwas in der Richtung schreiben: ‚Eine Reise, die Kultur, Kulinarik, Bier und sportliche Aktivitäten miteinander verbinden sollte.‘ Nein. Die KI kennt uns nicht. Ballern, Junge. Bis zur körperlichen Belastungsgrenze. Der Flieger hatte ca. 30 Minuten Verspätung. Macht ja nichts. Leider waren wir von Anfang an nicht vollzählig. Wir sind mittlerweile alt. D. h. die körperlichen Einschläge kommen näher. Wenn ein Kegelbruder mitgefahren wäre, hätte seine Psyche gesagt: Toll! Jetzt geht es dir wieder richtig gut. Aber der Körper hätte gesagt, mach das bloß nicht nochmal. An dieser Stelle nochmal gute Besserung. Die anderen beiden hatte die Rüsselpest ans Bett gefesselt. Die letzte Absage kam Samstagmorgen. Echt schade, wenn man sich in einem Zustand befindet, in dem selbst das Anheben eines Bierglases als olympische Disziplin gegolten hätte. Wer nicht einmal den Samstagmorgen überlebte, hatte auf einer Kegeltour vermutlich ohnehin nur begrenzte Erfolgsaussichten. Drei Ausfälle, bevor überhaupt der erste Flieger abgehoben hatte. Das war bitter.
Also machten sich die verbliebenen Mitglieder der Reisegruppe auf den Weg zum Flughafen. Die Fahrt dorthin wurde standesgemäß mit Bier und Frikibrötchen überbrückt. Schließlich wollte man nicht völlig unvorbereitet in ein fremdes Land reisen. Bier diente der inneren Stabilisierung, das Frikibrötchen der äußeren. Eine ausgewogene Ernährung, wenn man den Ernährungsberater vorher mit einem Kegelholz erschlagen hat. Am Flughafen angekommen, hatten wir noch genügend Zeit und Bier übrig. Also genossen wir den Rest der Kiste. Ein Pfandsammler meldete seinen Anspruch an, verschwand aber wieder ohne aufdringlich zu werden. Während wir weiter Kultur erlebten, kam der nächste Pfandsammler um die Ecke und fragte, höflich, aber undeutlich, ob er die Kiste haben kann. Er nuschelte, als ob er einen Korken in der Kehle stecken hatte, der wahrscheinlich schon eingewachsen war. Deutlich wurde aber, dass er nach einem Bier fragte. Durch die Absage der drei Kegelbrüder, war noch Bier übrig. Er bekam eins. Wir wissen allerdings nicht, ob wir ihm damit den Tag gerettet oder ihn damit verhagelt haben. Der erste Pfandsammler übernahm dankend die Kiste.
Die Sicherheitskontrolle war unspektakulär. Es würde übrigens schneller gehen, wenn man sich vorher
a) schlau macht was erlaubt ist, denn Diskussionen sind hier sinnlos
b) sich mal ein bisschen beeilt.
Da wir a) und b) draufhatten, gab es bei uns keine Überraschungen. Dann ging es in den Flieger nach Kattowitz. Nicht nur der zweite Pfandsammler hatte einen Korken in der Kehle stecken, sondern anscheinend auch der Pilot. Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass man den Piloten nicht versteht. Der nuschelte so ein Brockenenglisch, dass der Informationsgehalt auf der Strecke blieb. Wahrscheinlich hat er es vom Chefsteward gelernt. Dessen Englisch war auch nicht besser. Verstanden haben wir nur, dass irgendein Damenparfum sein Lieblingsangebot sei. Merkwürdig. Ob deren polnisch besser ist, können wir mangels Sprachkenntnisse nicht beurteilen. Beim Aussteigen meinte ein Fluggast einen Kegelbruder auf polnisch beleidigen zu müssen. Wahrscheinlich onaniert der Pöbler immer noch auf seinen vermeintlichen ‚Mut‘, dass er es sich endlich getraut hat, jemanden anzupöbeln, der doppelt so groß und schwer ist. Wir werden unsere Kinderstube wegen so einem Penner aber nicht verlassen.
Schließlich bezogen wir unser Hostel. Die Reisegruppe war angekommen. Die Stadt wusste davon noch nichts, aber das sollte sich bald ändern. Unsere Planer haben schließlich alles gut durchgeplant. Also erstmal tanken gehen. Das funktioniert in einer Craft-Beer-Bar erstaunlich gut, wenn es da gutes Zeug gibt. Die Fruchtbombe ist mega. Dann haben wir es geschafft, zweimal den Zapfhahn zu treffen, dessen Kapazität nur noch für zwei Bier reichte. Das kann passieren. Wir fanden es spitze, dass das letzte Bier somit umsonst war. Nett von denen. Das Bier war auf jeden Fall Mega! Zu lange konnten wir nicht verweilen, da wir schließlich eine Reservierung in einem traditionellen schlesischen Restaurant hatten. Vor der Tür gab es eine Warteschlange. Das ist immer ein gutes Zeichen, wenn man nicht selbst warten muss. Wegen der Reservierung durften wir uns als VIP-Gäste vorbeischlängeln. Ich meine ein schadenfrohes Grinsen bei einem Kegelbruder gesehen zu haben. Erst einmal eine Grundlage schaffen. Es war richtig gut. Man sollte aber beachten, dass Bratkartoffeln ein Hauptgang ist und keine Beilage. Auch gibt es Gewichtsangaben der Speisen, die man ernst nehmen sollte. Die schlesische Küche bot die Gelegenheit, den Körper mit ausreichend Kalorien zu versorgen, um die kommenden Herausforderungen zu überstehen. Alles war sehr lecker. Ein Schnaps muss her. Ein Bimber. Warum nicht? Traditionell ist er jedenfalls. Google empfiehlt ihn auch und erklärte, dass früher Schwarzgebrannte so genannt wurden. Heute würde es bedeuten, dass es sich um einen traditionellen Schnaps handelt. Wir hatten den Bimber also voller Vorfreude bestellt. Ein uns unbekannter polnischer Schnaps, traditionsreich und vermutlich mit dem Versprechen, selbst abgestandenen Leitungswassertrinkern die Seele zu öffnen. Kultur erleben – schließlich haben wir als distinguierte elegante Männer in Metalshirts einen Ruf zu verlieren. Voller Erwartung auf dieses Kulturerlebnis warteten wir auf unsere Bestellung. Er kam in einem 4 cl Glas. Unseren Trinkspruch haben wir übrigens nur geflüstert. Eigentlich peinlich, aber die Bedienung konnte deutsch und wir wollten nicht als Proleten durchgehen. Der Geruch erinnerte an Pattex, die erste Berührung mit der Zunge an einen missglückten Feuerwehreinsatz und der Geschmack an etwas, das man normalerweise nur trinkt, wenn man versehentlich in einer Chemiefabrik verdurstet. Der Abgang war lang, schmerzhaft und von der Sorte, bei der man sich fragt, ob man gerade Schnaps getrunken hat oder ob der Schnaps gerade versucht, einen aufzulösen. Kurz gesagt: Wir hatten einen Schnaps bestellt und bekamen eine chemische Kampfansage. Zum Glück hatten alle noch Bier zum Löschen äh Nachspülen. Aber genau darin lag schließlich der Reiz der Reise. Mal was Neues erleben.
Nach dem Restaurant ging es weiter ins Valhalla. Unsere Planer haben diesen als Metalladen identifiziert. Haben wir alle. Spukten uns allen bereits viele Lieder über die Halle Odins. Valhall Awaits Me, The Gates of Valhalla oder ganz klassisch: Valhalla, Deliverance…. Etwas versteckt war der Club aber schon. Wir standen vor dem Haus. Unten im Erdgeschoss war eine fette Party. Wir wussten nicht so richtig, ob wir hier richtig sind. Ein Kegelbruder hat jemanden mit Hörnern gesehen. Also rein da. Aber es war nicht das Valhalla. Was es war, weiß ich auch nicht. Es könnte von den Verkleidungen der Gäste her, etwas Queeres gewesen sein. Jedenfalls schienen sie Spaß zu haben. Allerdings machten sie deutlich, dass es sich um eine geschlossene Veranstaltung handelt, konnten uns aber sagen, dass das Valhalla die Treppe runter ist. Sehr gut. Deren Musik war nämlich: Scheiße. Also hinunter in den Schlund der Hölle. Zu metallischen Klängen, wo Wikinger ihre Äxte beim Bier schärfen. Wo nicht eher aufgehört wird zu saufen, bis Ragnarök in Sicht ist. Bier, Metal, Spaß und echte Romantik. Scheiß auf jedes Sonnenuntergangsfoto. Jetzt geht die Party los! Also runter ins Valhalla. Es waren keine Gäste da. Ja, ok. Es war ja auch noch früh. Also erstmal Bier bestellen. Der Laden besteht aus einzelnen Tischen, die jeweils durch einen Maschendraht voneinander getrennt sind. Es wurde Bier bestellt. Ahhhh! Die genaue Beschreibung warum Ahhhhh! folgt weiter unten, wenn ich die Atmosphäre fertig beschrieben habe. Die Musik war ohnehin eine akustische Zumutung. Irgendwelche Mönchsgesänge, bei denen sich tiefere und hohe Stimmen abwechselten, als hätte ein Klosterchor kollektiv beschlossen, einen Hörsturz zu verursachen. Einfach schlimm. Kein Metal, kein Johan Hegg, der Odins Halle besingt, keine Gitarren, kein dröhnender Bass, kein Schlagzeug, nicht einmal ein halbwegs brauchbarer Rhythmus, zu dem man sich hätte betrinken können. Stattdessen spirituelles Gejaule aus den Tiefen des Mittelalters. Eine Musik, bei der man nicht in Stimmung kam, sondern eher das Bedürfnis verspürte, sich freiwillig in eine stille Ecke zurückzuziehen und über seine Lebensentscheidungen nachzudenken. Keine schöne Musik, keine Saufstimmung. Wobei Letzteres – wie oben bereits erwähnt – ohnehin schwierig war. Denn zu dieser akustischen Körperverletzung, gab es nicht einmal kaltes Bier. Und das, was man uns stattdessen vorsetzte, schmeckte, als hätte jemand versucht, abgestandenes Spülwasser mit einem Schuss Verdünnung gesellschaftsfähig zu machen. Kurz gesagt: Die musikalische und alkoholische Versorgung bewegten sich auf einem Niveau, bei dem selbst ein Trauergottesdienst als ausgelassene Party durchgegangen wäre. Das Konzept einer Kneipe mit schlechten und warmen Bier erschließt sich mir nicht. Leute ernsthaft: Was soll das? Welchen Sinn hat der Laden? Jedenfalls flüchtete der erste Kegelbruder ins Hostel. Können wir ihm nicht verübeln. Ein anderer hatte noch versucht dem vorgesetzten Bier etwas Gutes abzugewinnen. Eigentlich hat alles Ressourcen. Diese Plörre aber nicht. Pfui. Und irgendwas verkaufen wollte die Dame hinter der Theke sowieso nicht. Nicht mal Schnäpse. Also ging der nächste ins Hostel.
Der nächste Morgen. Sonntag
‚Kommt runter! Das Frühstück ist der Hammer!‘, schrieb ein Kegelbruder. Er wählte aber das rhetorische Mittel der Ironie um das Frühstück zu beschreiben. Toast, ein paar Kelloggs, Fischpaste, Marmelade. Und am Ende alles bitte selbst spülen. Es war günstig, also braucht man nicht zu meckern. Man muss lediglich in der Lage sein, den Mund zu öffnen und anschließend wieder zu schließen. Diese Voraussetzungen konnte unsere Gruppe weitgehend erfüllen. Kaffee gab es auf die traditionelle Weise. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Kostengründen. Das Lesen des Kaffeesatzes ließen wir doch als Anhänger von wissenschaftlichen Erkenntnissen einfach mal aus. Man setzte sich an einen Tisch, und versucht, die Augen offen zu halten. Bei einer Kegeltour wird daraus allerdings eine medizinisch durchaus interessante Untersuchung der menschlichen Belastbarkeit. Ein Kegelbruder hatte die ganze Nacht auf dem Porzellanthron verbracht. Ohne Krone, aber mit ordentlich Druck auf dem Kessel. Sein Darm hatte offenbar zu einer Krisensitzung mit dem Geschäftsführer der Porzellan GmbH & Klo KG, welcher beschlossen hatte, sämtliche Flüssigkeitsreserven des Körpers vor Sonnenaufgang aufzukündigen. Der Rest hat ganz gut gepennt. Da das Frühstück im Hostel ein Reinfall war, gingen wir erstmal richtig frühstücken. Wir trafen uns vor dem Hostel zum Appell. Die Erkenntnis war beruhigend: Wir waren vollzählig. Nicht unbedingt in Bestform, aber vorhanden. Solange man noch im Stande ist, ein Bier zu halten, war alles gut. Also frühstücken in einem Café. Mega, was die Dame uns hier kredenzt hat. Das ganze noch in einer richtig tollen Atmosphäre. Zu lange konnten wir hier nicht verweilen. Die Tyskier Brauerei wartete schließlich schon sehnsüchtig auf uns.
Der Weg zum Hauptbahnhof verlief ohne Zwischenfälle. Aber hier ging das Drama los. Fahrkarten kaufen. Englischkenntnisse an den Schaltern schienen so verbreitet zu sein, wie gute Unterhaltung bei sogenannten ‚romantischen Filmen‘. Jedenfalls wenn man sich als Mann lesen lässt. Die erste Dame verstand uns nicht. Also nochmal warten. Die nächste Dame konnte auch nichts. Aus Diskretionsgründen mussten wir jeweils hinter einer Linie warten. OK, fair. Aus den Lautsprechern der Schalter schallten die Informationen dann aber so laut raus, dass auch die umliegenden Cafés etwas davon hatten. Die dritte Dame schaffte dann das Unmögliche und konnte uns Fahrkarten verkaufen. Warten am Bahnsteig macht übrigens so viel Spaß, wie ein Coitus Interruptus: Man sieht einen Zug, der sich dem Bahnhof nähert. Dann wechselt er im letzten Moment das Gleis. Die Nummer passierte häufiger. Der Leser erkennt vielleicht den Zusammenhang. Auf der Fahrt merkte man einem Kegelbruder an, dass sein einheimischer Sitznachbar die Beziehung mit der Dusche beendet und diese beim Auszug gleich sämtliche Seifen und Duschgele mitgenommen hatte. Es sollte nicht der letzte Stinker auf unserer Reise gewesen sein. Unser Planer hat einen Weg von ca. drei Kilometern vom Bahnhof zur Brauerei angekündigt. Dieser war zwei Kegelbrüdern zu lang. Sie schwangen sich auf einen Elektroroller und fuhren an uns gut gelaunt vorbei. Wir hätten rückblickend alle diese Dinger nehmen sollen.
An der Brauerei angekommen, mussten wir das Bier erstmal testen. Lecker! Nach ein paar Runden wollten wir erst ins Biermuseum, haben uns dann aber für die Brauereibesichtigung entschieden. Ein Aachener gesellte sich zu uns. Die Dame die uns die Brauerei zeigte, schien uns zu mögen, da sie auf unser Wissen ums Bier und unsere Erfahrung aufbauen konnte. Sie berichtete, dass die Brauerei Umsatzprobleme hat. Problematisch ist halt, dass die Jugend nicht mehr trinkt und sich auch nicht mehr in Kneipen trifft. Sie sitzen alleine vorm Handy, scrollen endlos durch Social-Media-Kanäle und glauben irgendwann, dass die Erde eine Scheibe ist. Rauchen tuen sie auch nicht mehr, sondern vapen und verpesten die Umwelt mehr, als wenn sie Kippen rauchen würden. Mittlerweile hat dieser Scheiß Einzug in die Unis gefunden. Ich habe gehört, dass die neuen Studis nun auch jede Vorlesung mitnehmen und deswegen die Donnerstagspartys zum großen Teil abgeschafft wurden. Liebe junge Generation, Hände weg vom Handy. Geht in eine Kneipe, betrinkt euch, lernt wieder reale Menschen kennen und wischt sie nicht nach links oder rechts. Und gegen den Schädel am nächsten Morgen hilft eine große Flasche Wasser. Des Weiteren kann man Bier wunderbar nutzen, um die Entscheidungen für den nächsten Morgen zu rechtfertigen. Am Ende der Führung gab es einen Gutschein für ein Bier, was wir natürlich begeistert degustierten.
Da das ausgesuchte Restaurant keine Tische mehr hatte und die Zeit eng wurde, haben wir uns zwei Ubers bestellt. Der erste Uber-Fahrer hatte wirklich eine tolle Playlist. Die Suche nach etwas Essbaren war nicht ganz einfach, aber auch nicht unmöglich. Ein Restaurant in der Nähe der Spodekhalle wurde ausgesucht. Die Klos teilte man sich mit der Oper. Irgendein Stück lief da auch. Man sah an der Kloschlange eine Mischung aus Menschen in Abendgarderobe und normaler Metalkleidung. Aufessen und dann in die Spodekhalle zu Dark Funeral, Dimmu Borgir und Behemoth. Die nächste Überraschung brachte der Merchstand. Umgerechnet knapp 40 € für ein T-Shirt. Es handelt sich um einen normales Baumwollshirt und wurde nicht bei Vollmond aus Einhornhaar gewebt. Euch brennt doch der Helm. Und dies in einem ehemals kommunistischen Land. Wir ignorierten diese Preispolitik und beschlossen, dass sie sich andere nützliche Idioten suchen sollen. Dark Funeral betrat die Bühne. Der Sound war… scheiße! Leute ernsthaft? Wie kann man so einen Brei aus den Lautsprechern zaubern. Jaja… Black Metal ordentlich produziert ist nicht true… Das muss sich grausig anhören, wegen des Spirits… Nee, fickt euch. Es gibt Lieder, da kommt es auf Timing an. Scheiß Sound bei einer Band, die es spielerisch draufhat. Dimmu Borgir betraten die Bühne. Der Sound war etwas besser. Bei den schnelleren Passagen hörte es sich aber trotzdem so an, als ob in jeder der Boxen ein Elch wohnt, der aus ungefähr zwei Metern Höhe auf ein Garagentor kotzt. Schlecht bei Symphonic Metal. Behemoth! Die Lokalmatadore. Soundmäßig war es definitiv eine Verbesserung. Vielleicht hat Nergal dem Mischer auch einen rektalen Stromstoß angedroht, wenn er sich jetzt keine Mühe gibt. Behemoth überzeugten live. Wie immer. Mit gezielten Feuerstößen fackelten sie die Bühne ab. Mega!
Aber auch dieser Abend neigte sich dem Ende.
Montag
Das Frühstück war wie den Tag davor. Der einzige Unterschied war, dass es uns nicht mehr überraschte. Also nochmal in das gleiche Café. Ein Kegelbruder meinte, dass das Croissant was in dem gestrigen Café ausgegeben wurde, doch erregend aussah. Da niemand etwas dagegen hatte, haben wir uns entschlossen, da nochmal hinzugehen. Leider war geschlossen. Auf dem Weg dorthin, haben wir das Café Kattowitz gesehen. Es gibt Läden, die machen einen auf klassisch, traditionell usw. Allerdings mit dem Hintergrund, dass sie sich die Renovierungskosten sparen wollen und altes Zeug als ‚vintage‘, ‚zeitlos‘ oder ‚retro‘ bezeichnet wird. Ich bezeichne so etwas als rustikalem Investitionsverzicht. Dieses Café ist aber all dies nicht. Es ist stilvoll eingerichtet. Traditionell, aber in schön. Besonders sind die vertäfelten Wände zu erwähnen, die regelmäßig einen Schreiner gesehen haben. Es passte einfach alles zum Konzept. Das Essen war sehr gut, der Nachtisch ebenfalls. Die Einheimischen bestellten Bier. Also wollen wir hier nicht als kulturunsensibel dastehen. Es ist übrigens eine beliebte Strategie unter Männern, dass wenn man lange genug schweigt und dabei auf sein Bier starrt, merkt niemand, dass das eigene Gehirn gerade einen Neustart durchführt.
Wir machten uns auf zu einer Stadtführung. Diese war browserbasiert und richtig schlecht, da die KI die Texte geschrieben hat. Sie führte uns zwar an diverse interessante Stellen, aber wo man in Ruhe schiffen kann, verriet sie uns nicht. Dafür war ein Ziel mitten auf der Spodekhalle. Klettern wollte niemand. Also haben wir dies übersprungen. Wie so viele andere Ziele auch, also beendeten wir den Kram und werden es schlecht bewerten. Ein Kegelbruder wollte Zapiekanka probieren. Warum auch nicht. Also haben wir einen Laden ausfindig gemacht. Wir bestellten. Was wir nicht wussten, ist, dass an dem Tag Markttag war. Es handelt sich um einen besonderen Markt für gemahlenen Filterkaffee. In Hamburg gibt es Marktschreier, in München ebenfalls, jeweils mit entsprechender funktionaler Kleidung. In Kattowitz gibt es die Besonderheit, dass es nur einen Verkäufer gibt, der bei ca. 8 Grad ohne T-Shirt rumrennt, während er dabei fast seine Hose verliert. Er braucht auch keinen Marktstand, sondern geht mit Zischlauten und zwei Paketen auf seine Kunden zu, die alle höflich ablehnten. Vielleicht sollte er die Parfummarke wechseln. Eau de Clocharde ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Echt tragisch solche Schicksale. Er verschwand aber wieder und wir konnten uns zur nächsten Station begeben, um dort Äxte zu werfen. Wir durften Musikwünsche äußern, die auch erfüllt wurden. Bier gab es auch. Die Trainerin erklärte uns die Technik und ein paar Sicherheitsregeln, die aber selbstverständlich waren. Der erste nahm die Axt – besser gesagt das Beil – in die Hand und prüfte nochmal den festen Sitz. Passt. Ausholen und werfen. Plopp, blieb die Axt stecken. Ja, es macht Spaß. Ein Kegelbruder hatte die Technik perfektioniert und traf mit Ansage in die Mitte. Seine Technik machte die Runde und mehrere schafften es, die Mitte zu treffen. Nachdem unsere Zeit abgelaufen war, haben wir nicht nur die Zielscheiben zerfetzt, sondern wir hatten auch keine Lust mehr. Aber der Spaß war dabei! Es war noch früh. Also ab in den Irish-Pub. Ein paar Runden später beschlossen wir in das Restaurant von Samstag zu gehen. Da es unter der Woche war, gab es auch keine Probleme einen Tisch zu bekommen. Man hätte meinen können, dass unsere Körper nach den bisherigen Mahlzeiten irgendwann einmal genug haben könnten. Doch diese Annahme beruht auf einem grundlegenden Missverständnis der unserer Verdauung. Die Roulade war wieder mega. Das Bier war gut und der Schnaps konnte auch was.
Dienstag
Der Dienstag begann genauso wie die anderen Tage. Frühstück, Zimmer ausräumen und ab zum Flughafen. Dort gab es noch etwas zu futtern. Doch bevor wir uns endgültig in Richtung Heimat verabschieden konnten, wartete noch ein Gegner, mit dem niemand gerechnet hatte: Wizz Air und die Gepäckfrage. Eine Flugreise ist heutzutage ein kompliziertes Zusammenspiel aus Buchungsbestimmungen und Handgepäckmaßen, die mit einer Mikrometerschraube abgelesen werden. Ein Kegelbruder wurde ausgewählt, den Rucksack in das Gepäckdingsbums zu stecken. Ja, der Rucksack war etwas zu groß. Die Dame quatschte trotz mehrfachen englischen Hinweisen, dass er kein polnisch kann, weiter auf polnisch. Irgendwann schien sie es verstanden zu haben und switchte auf englisch um. Einmal nachlösen. Wenn man sich so umschaut, war der Kegelbruder nicht der Einzige, der einen zu großen Sack dabeihatte. Aber das schien sie nicht zu interessieren. Also ab in den Flieger und nach Dortmund. Auf dem Rückflug konnte man den Piloten und die Stewardess übrigens sehr gut verstehen. Der Flug verging ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Fazit:
Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere Erfahrungen, wir flüssige Kalorien. Natürlich waren wir nicht immer die elegantesten Vertreter unserer Spezies. Manchmal waren wir laut, anstrengend und gelegentlich so charmant wie Schmirgelpapier auf Hochglanzküchenschränken. Das Wichtigste ist aber, dass wir gemeinsam unterwegs waren. Und genau darum geht es bei einer Kegeltour. Nicht um Perfektion, makelloses Benehmen oder die Frage, wer den übelsten Absturz hatte. Es geht um Anekdoten, Situationskomik und um gemeinsame Erlebnisse, von denen man sich noch Jahre später erzählt. Es geht darum, dass einer einen schlechten Wurf mit der Axt hinlegt, ihn der Rest der Gruppe geschlossen auslacht und ihm anschließend erklärt, dass selbst ein kotzender Elch das Ziel besser getroffen hätte. Aber wir waren ja auch nicht dort, um uns für den Friedensnobelpreis zu bewerben. Es war eine richtig geile Tour! Danke! Die beiden Planer haben ganze Arbeit geleistet. Da sie dies richtig gutgemacht haben, bin ich der Meinung, dass sie dies jetzt immer organisieren sollen.
Ausgemauert
Arnsberg, 13.9.2024 von Walter
Nachrichten über SMS, WhatsApp oder Threema. Sind es doch meistens Belanglosigkeiten, Blödsinn, Pornos, Pimmel, Daten zu Dates die durch diese Dienste durch den Äther flattern. Aber eine Nachricht welche alle Kegler des KC Bowl Thrower am 31.07.2024 plötzlich erreichte, war nicht lustig, lästernd oder belangloser Blödsinn. Diese verkündete das plötzliche und ungeplante Aus unserer Kegelgaststätte zum 01.09.2024. Kurzfristig? Ja. Aber Uwe hat es leider auch erst einen Tag vorher erfahren. Wie wir das finden? Frei nach Max Liebermann. Ich meine das Zitat, welches mit der Auslösung eines vago-vagalen Reizes in Verbindung gebracht wird.
143 Jahre wurde in der Gaststätte gekegelt. Eine Tradition die sich über die Jahre fortgeschrieben hat. Aber eine Gaststätte ist nur so gut wie der Inhaber, der den Rahmen gestaltet. An Dich, Uwe, geht ein besonderer Dank, was wir Dir schon persönlich mitgeteilt haben. Du kanntest nicht nur deine Gäste, du wusstest auch, wie man so einen Laden schmeißt. Dies zeigte sich immer an deinem gastfreundlichem Umgang und natürlich auch an deiner Getränkeauswahl. Du hattest sehr hochwertige Spirituosen auf der Karte, da du wusstest, dass deine Kunden einen guten Tropfen zu schätzen wussten.
Diese Tradition wurde beendet. Wie man zum Umbau der Gaststätte in Tagungsräume steht, soll jeder für sich selbst bewerten. Götz von Berliching hat seine Gedanken in einem besonderem Zitat benannt. Vielleicht machen wir uns dies "mit Verlaub" zu Eigen.
Vielen Dank Uwe! Wir hätten gerne bei dir weitergekegelt, an deinen Turnieren teilgenommen und die tolle Atmosphäre weiter genossen. Danke für die tollen Kegelabende, dein Engagement und natürlich für deine freundliche Art. Du bist als Gastkegler immer herzlich bei uns eingeladen.
Ein Debakel, wie sonst nur bei Schalke 04
Arnsberg, 3.12.2022 von Christian
Tja, wo soll man anfangen? Na, am Anfang am besten. Gut gelaunt, motiviert und durchtrainiert betraten die meisten Mitglieder des KC Bowl Thrower das Kegel- und Speise- sowie Trinketablissement auffe Maua. Mit "die meisten Mitglieder" meine ich derer acht, da das neunte Mitglied uns schändlich im Stich gelassen hat und lieber Live-Musik von Doro und so anhören wollte.
Wie in einem Western wurden wir Neuankömmlinge von den bereits Anwesenden Clubs misstrauisch, wenn nicht auch verächtlich oder sogar belustigt angestarrt. Es wurde sogar versucht uns mit lauter, schriller Stimme zu entnerven. Doch ließen wir uns nicht einschüchtern und nahmen sogleich das kleine Separee ein. Dort gab es dann die ersten Runden frisch gezapfte kühlende labende Leberlotion und... Kaffee mit der längsten Praline der Welt. Gegen den Hunger kredenzte der allseits beliebte Kneipier stolze 16 Liter Gulaschsuppe, sowie Unmengen an Bierbeißern und Frikadellen.
Sofort stärkten wir uns für unser erstes Match, das wir gegen den KC Mixed Pickles bestritten. Schnell wurden uns unsere Grenzen aufgezeigt, die wahrlich nicht sehr ausgedehnt waren. Kurzum - wir verloren 3 zu 0. Aber, ja und. Kann passieren. Nur ein Ausrutscher. Lag bestimmt wieder an der schrillen und lauten Stimme. Arsch abwischen und weiter machen.
Zurück in unserem Separee wurde die Niederlage professionell aufgearbeitet. Möglicherweise lag es am Alkoholpegel, der eindeutig zu niedrig war. Also legten wir nach und stellten uns selbst den Auftrag, das nächste Spiel zu gewinnen. Das Team wurde ein wenig verändert um dann gegen unseren nächsten Gegner Die Ausgänger anzutreten. Diese, so sagten sie über sich selbst, seien nur anwesend um Spaß zu haben. Na also, leichte Beute. Alles Opfer. Doch was war geschehen? Das Unheil ging weiter. Auch dieses Spiel verloren wir mit 3 zu 0. Alle, außer ein Kegelbruder, der sich zumindest ein bisschen Mühe gab, versagten auf voller Linie. Eine Schande.
In einer Mischung aus Wut, Frustration und Scham schlichen wir in unsere Ecke zurück. Völlige Resignation. Wie konnte es so weit kommen? Wie konnten wir nur zum FC Schalke 04 unter den Kegelclubs werden? Fassungslosigkeit machte sich breit, die noch größer wurde, als sich herausstellte, dass wir nicht nur beim Kegeln sondern auch beim Saufen auf dem letzten Platz waren. An Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Ein letzter Strohhalm war eine Schnapsrunde, die uns wieder auf Kurs bringen sollte. Auch auf schmutzige Tricks wurde zurückgegriffen und unsere Gegner mit mysteriösem Blaubeernebel eingehüllt.
Es folgte die Stunde der Wahrheit. Das letzte Spiel gegen eine Altherrentruppe (plus einem jüngeren Nachzügler) namens Lokomotive. Geschätzte 500 Jahre Kegelerfahrung gegen die geballte Power der Jugend. Und tatsächlich. Es war so weit... Wir lagen 1 zu 0 hinten. Doch konnten wir gegen die rüstigen Lokomotiven unseren ersten und einzigen Punkt in diesem Turnier holen. Dennoch verloren wir mit 2 zu 1. Aber der eigentliche Verlierer ist der KC Lokomotive, denn die haben nur 2 Punkte gegen uns geholt.
Nach diesem (wie soll man es nennen?) glanzlosen und desaströsen Auftreten, der an unsere Fußballnationalmannschaft erinnert, zogen wir uns wieder zurück und besoffen uns. Wenigstens hier konnten wir aufholen und versuchten unsere Erinnerung mit Whisky zu löschen. Dies gelang uns erst später im Nachbarort beim Winterschützenfest. Würde ja gerne etwas darüber schreiben, aber wie gesagt: Erinnerung gelöscht.
Nun zum Pudelskern: Wir waren SCHEISSE. Woran lag's? Haben wir uns überschätzt? Waren wir zu nüchtern? Oder lag es an der Demoralisierung, weil uns ein Mitglied für Schund im Stich gelassen hat? Ja, ich glaube daran lag es. Fazit: Es kann nur besser werden. Mahlzeit.
Neulich war ne Party
Arnsberg, 10.1.2022 von Walter
3 von insgesamt 5 Hamstern hat die letzte Kegeltour in der Bewertung gebracht. Die Planung dieser Tour verfolgte aber nicht das Ziel die Bewertungen zu steigern. Vielmehr war es unser Hauptziel den Ausflug so zu gestalten, dass alle früh aufstehen mussten. Ich hasse es ja selbst früh aufzustehen, aber was tut man nicht alles um zu nerven und für schlechte Stimmung im Vorfeld zu sorgen. Dass wir auch wieder nicht verraten haben wo es hingeht, machte den Shit-Storm einfach perfekt. Mit zu früh, war 06:30 Uhr am Arnsberger Bahnhof gemeint. Es gab noch ein paar Tipps von uns, damit die Reise kein frühes Ende nimmt: Impfausweise mitnehmen, Masken mitnehmen wegen Zug fahren. Da wir alle Befürworter wissenschaftlicher Erkenntnisse sind, waren diese Tipps eigentlich obsolet. Aber wir wollten ja nicht erzählen, wo es hingeht.
Für Bierchen wurde am Treffpunkt gesorgt. Eine schöne Kiste Astra gesellte sich zu uns. Bier auf den Zahncreme-Atem zu gießen, schmeckt übrigens nach Berliner Luft. Die Frikkis von Lidl stießen auf ein geteiltes Echo. Habe ich eigentlich schon erwähnt wo es hingeht? Nein? Mache ich auch noch nicht. Haben wir auch noch nicht gesagt. Es wurde lediglich in den Zug Richtung Dortmund eingestiegen. Während der Zugfahrt, genossen wir die neidischen Blicke der Penner - ähh Pendler - auf unser Bier. Am Dortmunder Bahnhof freute sich ein Nicht-Reisender über den leeren Kasten. Wir stiegen in den nächsten Zug Richtung Münster. Die Spekulationen über den Zielort nahmen kein Ende. Auch wenn ein Kegelbruder das richtige Ziel nannte, haben wir uns bedeckt gehalten. Die Spannung sollte ja kein frühes Ende nehmen. Ein paar Kurze später, stiegen wir am Hauptbahnhof in Oelde aus. Jetzt wussten alle Bescheid. Potts Blitz! Das kam wie aus der Pistole geschossen. Also ging es zum Kiosk, um uns mit lokalem Bier zu versorgen. Einem schmeckte es noch nicht. Er schmiss die Flasche auf dem Bahnhofsvorplatz auf den Boden. Also wieder rein, neues Bier holen.
Der Weg zur Brauerei war etwas großzügig kalkuliert, so dass wir vor der Führung noch etwas Zeit hatten. Auf dem Parkplatz vor der Brauerei tummelten sich schon mal weitere Kulturbegeisterte. Aber nicht unser Niveau. Es sah so aus, als ob die Mutter von einem dabei war. Brauereiführung mit Anstandswauwau. Prost Mahlzeit! (Oder auch nicht...)
Also schon mal reingehen und ein Bier bestellen. Da wir wissen, wie Bier hergestellt wird, war nicht allzu viel Neues dabei. Wasser, Hefe, Hopfen und Malz. Jede Brauerei knobelt da ihr eigenes Rezept aus. Aber: Es wird Whisky-Bier hergestellt. Das bedeutet, dass der Whisky-Club kurz zusammentreten musste. Fachsimpeln war hier fehl am Platz. Probieren geht über studieren.
Aber genug der Theorie. Der Zugang zur Praxis wurde uns natürlich nicht verwehrt. Aber das Whisky-Bier gab es dort nicht am Zapfhahn. Schade, aber es gab viel und ausreichend flüssiges Gold in allen möglichen Variationen. Dazu ein sehr leckeres Buffet, so dass kein Bauch flach blieb und keine Kehle trocken. Mit dem Trinkspruch haben wir uns erstmal zurückgehalten. Die Rentner an den Nebentischen haben sich garantiert darüber gewundert. Da man für kleines Geld verlängern konnte, haben wir dies gerne in Anspruch genommen und nach und nach unseren Trinkspruch etabliert.
Eine weitere Verlängerung wurde seitens der Brauerei ausgeschlossen, so dass wir uns gegen 14:00 Uhr aufgemacht haben, das Nachtleben der Weltstadt Oelde zu ergründen. Aber vorher musste das Whisky-Bier im Shop probiert werden. Die Flasche kreiste und es wurde im Allgemeinen für gut befunden. Ein Café was offen hatte, wurde in Beschlag genommen. Kaffee und Bier wurde konsumiert. Die Frage nach Whisky wurde vom Kellner begeistert bejaht. Selbstverständlich gäbe es Whisky. Der Whisky-Kenner denkt jetzt natürlich an Benriach, Balvenie oder Bunnahabhain. Aber es gab nur Jim Beam und Jack Daniels. Ganz davon abgesehen, dass es sich bei den beiden um Whiskeys handelt, ist das Zeug nur zum Mixen gut. Das Highlight war hier eine Ente, die sich über heruntergefallene Kekse freute.
Die ursprünglich rausgesuchte Kneipe hatte noch zu. Aber wir fanden Unterschlupf in einer Sports-Bar, die nicht nur Augustiner Helles hatte, sondern auch mit einer Whisky-Karte weiterhelfen konnte. Die Küche konnte auch was. Hier wurden die nächsten Stunden verbracht. Das Ambiente lud zum Zulaufen - äh kulturerleben ein. Helles, Whisky, Cocktails, Burger... Juhu!
Da wir aber noch den Zug zurück nehmen mussten, stellten wir irgendwann die Nebengespräche mit unseren Tischnachbarn ein. Am Bahnhof Oelde gab es immer wieder eine Party bei Fritz. Oelde ist der erste Hauptbahnhof ohne Kiosk wo man Bier kaufen kann. Das ging erst wieder in Dortmund. Nach ein paar netten Gesprächen im Zug waren wir auch schon flugs wieder zu Hause. Eine Brauereiführung ist auf jeden Fall das Mittel der Wahl, wenn bei einer Bildungsreise der Spaß nicht zu kurz kommen soll.
Flesh Bloody Forsch
Arnsberg, 18.10.2020 von Kiesler
Darf man sich in solchen Zeiten amüsieren? Darf man sagen: "Samstag ist Spaßtag!", während Agent Orange in den USA 1000 Menschen pro Tag tötet? Ja, man kann, man darf, man muss. Nachdem sich diverse klassische Kegelausflugsziele höchst unkooperativ zeigten, zog es die Corona-Rebellen Arnsberg e.V. nach Söst, um sich im Zuge einer Menü-Safari hinfortzubilden und kulinarisch zu verköstigen.
Nach Corona- und hüftbedingten Absagen fand sich am Samstagmorgen eine partielle Kegelclubmenge von sieben Personalitäten am Arnsberger Hauptbahnhof ein, um bei christianischem Bier aufs Taxi zu warten. Alsdann begrüßte uns eine sympathische, ebenfalls kegelbetraute Taxifahrerin mit den Worten: "Wenn ihr Musik hören wollt, kann sich jemand mit dem Autoradio koppeln". Fehler Nr. 1. Le Walteur koppelte und eröffnete die Fahrt mit dem Gassenhauer "Flesh Bloody Flesh" der bajuwarischen Partymetaller Fleshcrawl. "Oh Gott" sprach es, und begann eine 20-minütige Reise ins musikalische Spaßreich des Kegelclub Bowl Thrower. Das hätte sie jetzt so nicht von uns erwartet. Saufen in Soest? Da hätte sie eher mit Helene Fischer gerechnet. Dankeschön. Es folgte der neue Kegel-Quickie-Klassiker "Halloween" von "Helloween". Nach 10 Minuten stellte unsere schmerzbefreite Fahrerin fest: "Es wird nicht besser." Also lenkte sie das Gespräch geschickt auf unsere aktuelle Schwachstelle: "Warum trinkt ihr nix? Was seid ihr denn für ein Kegelclub? Ich versteh das nicht." Man einigte sich auf das Fahrtziel Soester Bahnhof statt Zwiebel (Ausgangspunkt unserer Tour), weil: "Dann könnt ihr da auch noch Bier kaufen." Bis jetzt: 100 Punkte für unsere Fahrerin, 0 Punkte für einen Kegelclub, den King Alcohol komplett verlassen hatte.
Die amtliche Begrüßung am Bahnhof Soest erfolgte durch einen Abgesandten der Dentalrebellen Soest, in einer uns fremden Lautsprache, die weitestgehend ohne Zischlaute auskam. So blieb unklar, ob er nun was zu essen, zu rauchen, oder nach drei Tagen crackbedingtem Dauerwach einfach nur neue Tanzpartner suchte. Tragisch, traurig, aber halt irgendwie auch nicht unser Problem. Voller Ignoranz über anderer Leute Weltschmerz deckten wir uns mit leckerem Wegbier ein, was angesichts der Uhrzeit zu Kopfschütteln bei den anwesenden Soester Rentnern führte. Ignorantes Pack.
Wir watschelten zur Zwiebel, wo uns unser Herr Führer mit ein paar historischen Fakten begrüßte, bevor es in der Zwiebel lecker Schinkenbrot zu futtern gab. Dazu das dunkle Zwiebelbier, explizit und sehr begeistert von der Bedienung empfohlen. Gefolgt vom hellen Zwiebelbier, zu dem sich die Bedienung sehr explizit NICHT geäußert hat. Also keine direkte Empfehlung, war aber trotzdem sehr lecker. Weiter ging's mit der Führung durch Soests schönste Gassen. Neben unterhaltsamen Episoden aus der Sturm-und-Drang-Phase unseres Stadtführers wurden völlig nebenbei auch ungefähr 80 % aller deutschen Sprichwörter geklärt. Das war erstaunlicherweise tatsächlich informativ und sehr unterhaltsam, dringende Stadttourempfehlung für Herr Meier. Weiter ging's mit einem leckeren Süppchen im Wilden Mann. Unser Stadtführer schüttete beiläufig sein Herz aus, wie geil doch früher das originale Warsteiner war, und wie kacke die moderne Industrieplörre von heute schmeckt. Damit hatte er uns. Nichts verbindet im Sauerland die Generationen stärker als die gemeinsane Abscheu vor diesem "Bier". "Wenn's auf irgendeiner Feier nur Warsteiner gibt, dann trinke ich lieber Wasser" legte unser Bruder im Geiste nach. Shame on you, ihr mit eurem Oberflächenwasser. Im Fachgespräch über Maultaschen vertraute er uns außerdem an, dass er seit über 20 Jahren keine Nudel mehr angefasst hat.
Im Ratskeller St. Georg gab's den Hauptgang: 1 mm Fleisch mit einem Klitzel Kartoffeln und Möhrchen. Ganz ehrlich: Klasse ist nett, aber ohne Masse taugt das nicht. Mit einem Happs waren die im Mund™, und irgendwie konnte man in allen Gesichtern ablesen: Na bravo, und jetzt? Der Fusel besänftigte die Gemüter ein wenig. Statt Ziehsel gab es Ziehsel Gold. Auf Nachfrage wurde "Der ist besser" konkretisiert: Der hat mehr Umdrehungen.
Nachdem sich das Brennen im Gaumen gelegt hatte, neigte sich unsere Stadtführung dem Ende zu. Vieles hatten wir gelernt. Stinkende Reiche, die tot im Altar vor sich hinmuffeln, semi-ehrenwerte Geschäftsmänner, die sich ohrwärts an die Wand piercen lassen, im Stadtteich versenkte Malefikanten, und natürlich die verfickten Patrizier, stets auf der Suche nach der größeren Kacke zum Draufhauen. Im Pilgrim-Haus gab's dann noch das kulinarische und lyrische Highlight des Tages: Soester Pumpernickel. Die herzzerreißende Geschichte eines im Ofen vergessenen Brotes wurde von unserem Stadtführer direkt historisch adäquat eingeordnet: "Da gibt's viele grundverschiedene Legenden, das ist jetzt die die ICH mir zu eigen gemacht habe." Lecker war's, und irgendwie war das Dessert auch dreimal so mächtig wie der fleischig-möhrige Hauptgang davor.
Wir zogen noch durch ein paar Kneipen, aber mangels Stadtführer gibt's da jetzt echt nix Interessantes mehr zu zu sagen. Bier halt. Njam njam, schlecki schlecki, Taxi nach Hause. Wir haben den Taxifahrer dann noch sehr penetrant von seiner Route abgelenkt. Burger King? Zu. Schnell zum Bahnhof, damit El Cortez da eine Stunde rumstehen kann? Dann zum Neumarkt, aber bitte nicht da lang sondern hier links und dann durch den Tunnel, nicht durch den Abzockwald. Wir gönnten uns noch einen Absacker im Irish, horchten interessanten Geschichten von peinlich berührten Kegelbrüdern im Blümchen-Hemd und beendeten satt aber hungrig den Corona-Kacki-Kacki-Ausflug 2020. Nächstes Jahr: Weniger Maske, mehr Gluck-Gluck.
PS: Erkenntnis des Tages: Wir sind ALT. Wir ernteten Lob und Anerkennung für die seltsamsten Taten. Nachdem wir auf der Hinfahrt noch an Gurt und Tür des Taxi-Busses gescheitert waren ("Ach Jungs... Ich helf euch..."), protzten wir bei der Ankunft in Soest mit einem eleganten Sprung aus dem Wagen ("Wartet, ich... Oh wow, ihr seid schon draußen! Geht doch!"). Im Wilden Mann wurden wir ernsthaft dafür gelobt, dass wir die Biergläser über den Tisch hinweg annahmen, ohne sie zu verschütten. "Na, das klappt ja. Super!" Etwas too much, aber schmeichelnd war's schon...
